Historie

Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Waghäusel, Abteilung Waghäusel

Die jüngste – aber zugleich auch eine der ältesten Wehren im Lande!

Die erste Erwähnung der Feuerwehr Waghäusel finden wir in

Das Löschwesen

in allen seinen Teilen
nach seiner geschichtlichen Entwicklung von frühesten
Zeiten bis zur Gegenwart

dargestellt von Kommerzien-Rath C.D. Magirus, erschienen im Selbstverlag des Verfassers, Ulm 1877.

Auf Seite 59 dieses Werkes nennt C.D. Magirus als Gründungsjahr der Feuerwehr Waghäusel die Jahreszahl 1849! Die Feuerwehren jener Zeit, so berichtet Magirus weiter, hatten oft nicht sofort ihre volle Ausbildung, sondern bildeten meist ein freiwilliges Corps.

Die erste uns erhaltene Feuerwehrsatzung stammt aus dem Jahre 1880 und trägt die Überschrift

„Feuerwehr Ordnung der Fabrik Waghäusel“.

Paragraf 1 dieser Satzung lautet: „Zum Schutz der Fabrik gegen Feuergefahr und zur Hilfeleistung bei auswärtigen Bränden in der Nachbarschaft besteht eine Feuerwehr“. Somit war die Feuerwehr der „Badischen Zuckerfabrikation“, wie damals die Waghäusler Zuckerfabrik hieß, seinerzeit schon zuständig für in Not geratene Bewohner der ganzen Umgebung.

Aus dem Jahre 1912 liegt uns eine Aufnahmeurkunde der „Fabrik Feuerwehr von Waghäusel“ in den „Verband des Badischen Landes-Feuerwehr-Vereins“ vor. Daraus ersehen wir, dass die Werkfeuerwehr am 18. März 1912 als Mitglied in diesen Verein aufgenommen wurde.

Über die folgenden Jahre liegen uns keine besonderen Meldungen vor. Die Werkfeuerwehr versah ihren Dienst und betreute auch die wenigen privaten Arbeiterhäuser von Waghäusel mit. Als im Jahre 1930 Waghäusel eine politisch selbständige Gemeinde wurde (zuvor gehörte das Gelände zur Gemeinde Oberhausen), übernahm die Südzucker Werkfeuerwehr offiziell den Brandschutz für die Bürger der neuen Gemeinde. Für diesen Dienst erhielten die Wehrmänner einen jährlichen Obolus aus dem Gemeindeetat.

Ein Ereignis im Jahre 1967 machte auf die Waghäusler Werkfeuerwehr aufmerksam. Am 12. Juli 1967 stürzte im Wald, am Ortsrand in Richtung Wiesental, ein Düsenjäger der Luftwaffe ab. Ein Dankschreiben von Generalleutnant Trautloft bestätigt, dass „die Werkfeuerwehr der Zuckerfabrik Waghäusel bereits 10 Minuten nach dem Absturz einsatzbereit an der Unglückstelle war und bis zum Eintreffen weiterer Feuerwehren aus der Umgebung den entstandenen Brand mit großem Erfolg bekämpft hat… Dem schnellen Einsatz der Feuerwehr war es zu verdanken, dass durch die in Brand geratenen Wrackteile des abgestürzten Jägers kein größerer Waldbrand und kein zusätzlicher Schaden entstanden sind“. Leider wurden bei diesem Großeinsatz auch zwei Waghäusler Feuerwehrleute verletzt, denen ein besonderer Genesungswunsch des Generalleutnants zukam.

Eine Wende in der Geschichte der Waghäusler Werkfeuerwehr zeichnete sich 1972 ab. Als die großen Umbaumaßnahmen in der Südzucker abgeschlossen waren, untersagte der damalige Direktor Köppen den Wehrmännern, ihre Übungen weiterhin während der Arbeitszeit durchzuführen. Er vertrat die Ansicht, in seiner neuen Fabrik aus Beton und Eisen würde es nie mehr brennen. Gleichzeitig war er überzeugt, im Notfall würden die Feuerwehrmänner auch ohne zeitraubende Übungen mit den vorhandenen Geräten jederzeit umgehen können. Bei größeren Bränden würde die Freiwillige Feuerwehr von Oberhausen zu Hilfe eilen… So schlummerte die Werkfeuerwehr dahin, ohne jedoch tatsächlich aufgelöst worden zu sein. Die Verantwortung für diesen letzten Schritt konnte und wollte keiner übernehmen.

Das große Erwachen aus diesem Tiefschlaf kam im August 1974. In einem Wohnhaus in Waghäusel war ein Feuer ausgebrochen. Obwohl die Sirenen bis in die Nachbargemeinden gehört wurden, hielt sich niemand für zuständig, in Waghäusel ein Feuer zu löschen. Die Hausnachbarn waren es, die mit Eimern und Gartenschlauch den Brand unter Kontrolle brachten und die Flammen erstickten!

Die Einwohner von Waghäusel waren nach diesem Vorfall aufgeschreckt und verunsichert. Eine Unterschriftensammlung wurde mit dem Ziel durchgeführt, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Die Gemeinderäte hatten jedoch damals andere Sorgen: zum 1. Januar 1975 stand die Fusion der ehemals selbständigen Gemeinden Kirrlach, Waghäusel und Wiesental zur neuen Großgemeinde „Waghäusel“ bevor. Warum sollte man sich dann in den letzten Monaten der selbständigen Gemeinde noch mit dem Problem „Feuerwehr“ befassen?

Auch in der Südzucker kam ein neuer Mann. Direktor Schilling war mit dem Zustand der Werkfeuerwehr nicht zufrieden. Er berichtete daher dem Landratsamt im Frühjahr 1975, dass er die Werkfeuerwehr auflöse und das von der Gemeinde Waghäusel bis dahin zur Verfügung gestellte Löschgruppenfahrzeug (OPEL Blitz) somit aus der Fabrik abgeholt werden könne.

Auf Grund dieser Tatsache und der vorausgegangenen Unterschriftensammlung lud der damalige Amtsverweser und spätere Bürgermeister Robert Straub alle wehrtüchtigen Waghäusler Männer zu einer Sitzung in den Bürgersaal des ehemaligen Rathauses (heute Polizeiposten) ein. Da genügend Freiwillige sich zum Feuerwehrdienst gemeldet hatten, wurde am 20. März 1975 die „Freiwillige Feuerwehr Waghäusel, Abteilung Waghäusel“ ins Leben gerufen! Die ehemalige Werkfeuerwehr der Südzucker Waghäusel war damit entbehrlich geworden. Nur zwei ihrer Mitglieder waren unter den Kameraden der neuen Abteilungswehr noch zu finden: Josef Blattner und Otmar Klevenz. Daneben zählten folgende Kameraden zu den Männern der ersten Stunde: Karl-Heinz Askani, Dietmar Boos, Roland Fuchs, Norbert Langen, Hans Peter Pistauer, Franz de Ponte, Julius Reich, Helmut Schreiber, Johann Schwarzinger, Bruno Uhrig, Johann Veith, Siegfried Weimer und Gerhard Würges. Bis zur Wahl des ersten Abteilungskommandanten Otmar Klevenz fungierte Franz de Ponte als Obmann der jungen Mannschaft zu den beiden anderen Abteilungen Kirrlach und Wiesental. Aus gesundheitlichen Gründen musste Otmar Klevens jedoch schon im Dezember 1976 sein Amt an Josef Blattner abgeben.

In den folgenden Jahren erfüllte die junge Großgemeinde Waghäusel mit ihrem Bürgermeister Robert Straub ihre Zusage, ein Gerätehaus im Ortsteil Waghäusel zu erstellen. Die Feuerwehrkameraden hatten ihrerseits Eigenleistungen beim Bau zugesagt, um den finanziellen Rahmen nicht zu überspannen. Zwischenzeitlich wurden die Unterrichtsstunden sowohl im Martin-von-Cochem-Haus der Pfarrgemeinde als auch im Bürgersaal des alten Rathauses abgehalten. Bei Anwesenheit des damaligen Kreisbrandmeisters Gerhard Wolf konnte am 14. Juni 1980 das neue Gerätehaus der Abteilung Waghäusel eingeweiht und der Wehr übergeben werden.

Somit gilt es festzuhalten: in Waghäusel gibt es nachweislich seit 1849 einen Brandschutz (158 Jahre) und seit 1975 eine Freiwillige Feuerwehr.